Im neuen umfassenden Bericht werden die Risiken durch Nanoplastik für die menschliche Gesundheit, Ökosysteme und die Umwelt analysiert

23 April 2026

Durch die  Verwendung von 592 Quellen zählt  dieser Bericht zu den umfassendsten offenen Übersichten zu diesem Thema.

Bericht des ALLATRA Global Research Center  “Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment

Washington, D.C., 23.04.2026 – Das ALLATRA Global Research Center, ein internationaler Thinktank mit Sitz in den USA, veröffentlicht einen neuen wissenschaftlichen und analytischen Bericht mit dem Titel  “Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment”. Die Publikation ist unter der Lizenz CC BY 4.0 veröffentlicht und richtet sich an die wissenschaftliche Gemeinschaft, Regulierungsbehörden, politische Institutionen und die breite Öffentlichkeit. Sie ist unter der DOI https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001 auf der Seite des ALLATRA Global Research Center abrufbar.

Der Bericht “Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment” ist insofern einzigartig, als er über Daten zum Ausmaß der Plastikverschmutzung oder zu einzelnen schädlichen Auswirkungen hinausgeht. Er trägt dazu bei, eine zentrale Frage zu klären: Was genau macht Nanoplastik bei der Wechselwirkung mit lebenden Systemen, einschließlich des menschlichen Organismus, so aktiv?

Der Bericht zeigt, dass das Problem nicht nur in der Menge an Plastik in der Umwelt liegt, sondern auch darin, dass Plastik nach dem Zerfall in Mikro- und Nanopartikel sein Verhalten und seine Eigenschaften verändert. Diese Eigenschaften ermöglichen es den Plastikpartikeln, mit Proteinen zu interagieren, Zellmembranen, Gewebe und die Schutzbarrieren des Körpers zu schädigen. Aus diesem Grund wird es im Bericht vorgeschlagen, Nanoplastik nicht als passiven „Plastikstaub“, sondern als eine neue Klasse anthropogener Partikel mit eigener physikalisch-chemischer Aktivität zu betrachten.


Was macht Nanoplastik gefährlich für lebende Systeme 

Dem Bericht zufolge verändern sich die Eigenschaften von Plastik grundlegend, wenn es in den Mikro- und Nanobereich zerfällt. Die spezifische Oberfläche vergrößert sich, die Fähigkeit zur Adsorption von Schadstoffen und Biomolekülen steigt und die Bedeutung von Oberflächenladung, ζ-Potenzial und Grenzflächenwechselwirkungen nimmt zu. Beispielsweise nimmt die spezifische Oberfläche von Plastikpartikeln stark zu, wenn sie zu Nanopartikeln werden. Theoretische Schätzungen legen nahe, dass ein einzelnes Plastikfragment mit einem Durchmesser von etwa 1 mm massenmäßig etwa einer Billion Nanopartikeln mit einer Größe von rund 100 nm entsprechen kann. Gleichzeitig erhöht sich ihre Gesamtoberfläche um das Zenntausendfache. Dies verstärkt ihre Reaktivität und die Fähigkeit zu biologischen Wechselwirkungen erheblich. Der Plastik-Zerfall zur Nanoplastik macht das Problem der Nanoplastikpartikel nicht nur zu einem Umweltproblem, sondern auch zu einem biophysikalischen.

Im Bericht wird betont, dass Mikro- und Nanoplastik mittlerweile nicht nur in Ozeanen und auf Mülldeponien, sondern auch in Luft, Böden, landwirtschaftlichen Produkten, Trinkwasser und Lebensmitteln nachgewiesen wird. Für den Menschen bedeutet dies eine kontinuierliche Belastung durch Nahrung, Wasser und Atemluft. Partikel dieser geringen Größe können mit Epithelbarrieren, Zellmembranen, dem Immunsystem und intrazellulären Strukturen interagieren. Der Bericht hebt insbesondere die Fähigkeit von Nanoplastik hervor, komplexe biologische Barrieren zu überwinden, darunter die Darmbarriere, die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke.

Ein besonderer Wert im Bericht wird auf die Mechanismen gelegt, die bereits durch moderne experimentelle und klinische Daten belegt sind: die Bildung einer Proteinkorona, oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktion, Störung der Barrierefunktion, Entzündungsreaktionen und veränderte Wechselwirkungen zwischen Partikeln und Zellen. 

Im Bericht werden die Daten zu den gesundheitlichen Auswirkungen auf das Nerven-, Herz-Kreislauf-, Immun-, Reproduktions-, Atmungs- und Bewegungsapparatsystem sowie zu Risiken für die pränatale und postnatale Entwicklung untersucht. 

„Ziel dieses Berichts ist es, eine präzisere wissenschaftliche Grundlage zu schaffen. Dieser Bericht stellt einen Versuch dar, fragmentierte wissenschaftliche Daten zu einer einzigen, zusammenhängenden Karte der Risiken und Forschungsprioritäten zusammenzuführen. Nanoplastik erfordert nicht nur Messungen, sondern auch ein tieferes Verständnis seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften und ihrer Wechselwirkungen mit Proteinen, Membranen, Barrieren und Ökosystemen. Wir sind überzeugt, dass die Untersuchung der elektrischen Eigenschaften und der potenziellen internen Ladungsstruktur von Nanoplastik ein wichtiger Ansatzpunkt für zukünftige Risikominderungsstrategien sein kann“, so Dr. John Ahn, Hauptautor des Berichts und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und Forschungsrats des ALLATRA Global Research Center.

Im Bericht wird auch der Einfluss von Mikro- und Nanoplastik auf Ökosysteme analysiert. Diese Partikel können sich im Boden anreichern, mit Pflanzenwurzeln und der Bodenmikroflora interagieren, in die Nahrungsketten gelangen und an Bioakkumulations- und Biomagnifikationsprozessen beteiligt sein.

Einzelne Abschnitte sind den Auswirkungen auf Waldökosysteme, bestäubende Insekten, Vögel, marine Ökosysteme und biosphärische Prozesse gewidmet.


Wissenschaftliche Neuheit: Warum die Untersuchung der elektrischen Eigenschaften von Nanoplastik der Schlüssel zu ihrem Verständnis sein kann

Ein Abschnitt des Berichts widmet sich den elektrischen Eigenschaften von Nanoplastik. In der wissenschaftlichen Praxis wird häufig das ζ-Potential verwendet, um das Partikelverhalten zu beschreiben. Dieses Potential ist ein Parameter, der mit der Ladung an der Grenzfläche eines Partikels zu einem flüssigen Medium zusammenhängt. Die Autoren des Berichts stellen jedoch eine weitergehende Frage: Reicht diese Kenngröße aus, um die elektrischen Eigenschaften von Nanoplastik vollständig zu verstehen?

Im Bericht wurde eine Forschungshypothese zur möglichen inneren oder suboberflächlichen elektrischen Organisation von Nanoplastik formuliert. Der Fokus liegt also nicht nur auf der Oberflächenladung, sondern auch darauf, ob das Partikel selbst eine komplexere „Ladungsarchitektur“ aufweist, einschließlich interner Ladungen, Ladungsfallen, Dipolstrukturen oder elektretartiger Zustände.

Diese Hypothese ist nicht deshalb wichtig, weil sie bereits eine fertige technologische Lösung bietet. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie das Problem selbst neu definiert. Die Frage lautet nicht mehr nur: „Wie lässt sich Nanoplastik nachweisen und quantifizieren?“, sondern auch: „Können wir verstehen, warum es mit lebenden Systemen auf diese Weise interagiert und lässt sich seine biologische Reaktivität zukünftig reduzieren?“

Aus diesem Grund wird in dem Bericht vorgeschlagen, Ladung, Oberflächeneigenschaften und die innere elektrische Organisation von Partikeln als vielversprechenden Ansatzpunkt für zukünftige Forschung zu betrachten. Sollten die schädlichen Wechselwirkungen von Nanoplastik teilweise durch deren elektrische Eigenschaften bedingt sein, könnte das Verständnis dieser Eigenschaften die Grundlage für neue Ansätze zur Risikominderung bilden.


Praktische Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus dem Bericht 

Der Bericht hebt unter anderem folgende Maßnahmen zur Bewertung und Minderung der Risiken von Mikro- und Nanoplastik hervor:

  • die Entwicklung vergleichbarer internationaler Standards zur Messung von Mikro- und Nanoplastik;
  • die Untersuchung der Oberflächenladung, des ζ-Potenzials, der der Bildung von Proteinkorona und der elektrokinetischen Eigenschaften von Nanopartikeln;
  • die Bewertung der langfristigen Auswirkungen von Nanoplastik auf die menschliche Gesundheit und Ökosysteme;
  • die Untersuchung potenzieller physikalischer und biophysikalischer Ansätze zur Reduzierung der biologischen Aktivität des bestehenden Nanoplastiks;
  • die Etablierung einer internationalen Forschungskooperation in einem Umfang, der mit den größten wissenschaftlichen Initiativen der Vergangenheit vergleichbar ist.

Der Bericht zeigt, dass der traditionelle Ansatz zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung – Sammlung, Sortierung, Recycling und mechanische Umweltreinigung – nicht ausreicht, um das Problem bereits entstandener Mikro- und Nanopartikel zu lösen. Sobald Plastik auf diese Größen zerfallen ist, lässt es sich praktisch nicht mehr vollständig aus der Biosphäre entfernen. Daher sind neben der Reduzierung von Emissionen und der Verbesserung der Überwachung neue Forschungsprogramme erforderlich, um schädliche Wechselwirkungen zwischen Nanoplastik und Lebewesen zu minimieren.

„Wir sind überzeugt, dass die Problematik des Nanoplastiks keine fragmentierte Antwort, sondern ein internationales wissenschaftliches Programm erfordert. Es handelt sich dabei nicht nur um eine Frage der Ökologie, sondern auch der Medizin, Biophysik, Toxikologie, Klimatologie und der öffentlichen Gesundheit“, ergänzte Karolína Hronová, Mitautorin des Berichts und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des ALLATRA Global Research Center.


Nanoplastik als Thema des internationalen wissenschaftlichen Dialogs

Um auf die wachsende Bedrohung durch Mikro- und Nanoplastik als unsichtbare, aber zunehmend gefährliche Form der Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen, die über traditionelle Umwelt- und Gesundheitsbedenken hinausgeht, organisierte das ALLATRA Global Research Center mit Unterstützung des Mitglieds des Europäischen Parlaments, Ondřej Knotek, am 24. Februar 2026 eine Konferenz zum Thema Nanoplastik im Europäischen Parlament. Zu den Rednern der Konferenz gehörten Vertreter des ALLATRA Global Research Center aus den Vereinigten Staaten, Israel, Deutschland und der Tschechischen Republik.

A. Ragusa, J. Kára, O. Knotek, M. Burns, M. Ovtsynova, J. Ahn, A. Kotlyar und A. Masny im Europäischen Parlament während der Konferenz „NANOPLASTIK: VERBORGENE ZUSAMMENHÄNGE UND NEUE RISIKEN“, 24. Februar 2026

Der Bericht “Nanoplastics. A Systematic Risk Analysis for Human Health, Ecosystems, and the Environment” ist öffentlich zugänglich unter:

https://allatra.org/global-research-center/publications/agrc.report.mnp.2026.04001 .

DOI: https://doi.org/10.65849/agrc.report.mnp.2026.04001


Über das ALLATRA Global Research Center

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